Jugendbuch, Rezension

Rezension zu “Schamlos” von Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz

– unbezahlte WERBUNG: Verlinkungen, Rezensionsexemplar, Markennennung/-erkennung –

In dem vorliegenden Buch geben wir acht von viel mehr Geschichten wieder, die uns Mädchen erzählt haben, die soziale Kontrolle am eigenen Leib erfahren haben.

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Bibliographische Angaben

Originaltitel: Skamløs
Titel:
Schamlos
Autorinnen: Amina Bile, Sofia Nesrine Srour, Nancy Herz
Übersetzt von:
Maike Dörries
Erscheinungsdatum: 11.02.2019
Verlag: Gabriel/ Thienemann-Esslinger Verlag
Genre: Jugendbuch
Seiten: 168

Reihe – Einzelband

Klappentext

Drei junge Frauen – Muslimas, Bloggerinnen, Feministinnen – beziehen Position: Wie fühlt es sich an, ständig zwischen den Erwartungen ihrer Familien, ihrer kulturellen Identität und ihrem Selbstverständnis, als Jugendliche in einem westlichen Land zu leben, hin- und hergerissen zu sein? Sie haben Diskussionen angeregt, Tabu-Themen öffentlich gemacht und zahlreiche sehr persönliche Geschichten gesammelt. Dabei ist ein bemerkenswertes Buch entstanden, ein mutiges Buch.

Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine multikulturelle Gesellschaft!
(Quelle: Thienemann-Esslinger Verlag)

Meine Meinung

Das Cover hat mir sehr gefallen und ist mir auch direkt ins Auge gesprungen. Die Farben sind sehr weiblich und auch die Frau auf dem Cover hat einen starken Ausdruck, der mich einfach Anzog.

In diesem Buch erzählen die drei Bloggerinnen und Feministinnen über ihre Erfahrungen als Muslimas. Die Frauen scheinen meiner Meinung nach aus streng gläubigen Familien zu stammen und haben somit extreme Erfahrungen gemacht. Doch nicht nur von ihren Erfahrung wird gesprochen, sondern auch von denen anderer muslimischen Frauen, welche anonymisiert über ihre Erlebnisse berichten.

Nur nachts im Meer schwimmen zu können, damit bloß niemand meine “nackte Haut” sieht? Für mich undenkbar! Denn ich bin frei von sozialen Zwängen und muss nicht “die Ehre” meiner Familie aufrecht erhalten. Aber so bin ich auch nicht erzogen worden. Viele Berichte in diesem Buch verstärken meiner Meinung nach Vorurteile. Oft habe ich eine meiner besten Freundinnen, Muslimin, gefragt, ob das wirklich so in ihrer Kultur ist. Manchmal auch meinen Freund, ebenfalls Muslim, mit dem ich bereits über 10 Jahre zusammen bin. Denn das was in diesem Buch teilweise steht, habe ich so noch nie gehört. Ich war wirklich zutiefst schockiert, doch es sind wirklich Extremfälle über die hier berichtet wird und es sollte einem klar sein, dass dies nicht bei allen Muslimen so ist. Aber bei Menschen mit Vorurteilen, die keinerlei Kontakt zu Muslimen haben, könnte es die Vorurteile extrem verstärken, was ich total schade finde. Denn eigentlich sollte das Buch doch die Kraft der Feministinnen zeigen und nicht Vorurteile schüren.

Wenn ich erzähle, dass ich als vorlaut bezeichnet werde, weil ich laut gegen Ungerechtigkeiten protestiere, als westlich, weil ich offen über den Körper der Frau und ihre Sexualität spreche, als falsche Muslima, Ungläubige, aufmerksamkeitssüchtig, weil ich den Hidschab abgelegt habe, dass ich mir von Leuten mit demselben Hintergrund wie ich anhören muss, dass den Hidschab abzulegen auf einer Stufe mit dem Verzehr von Schweinefleisch und trinken von Alkohol steht, dann tue ich auch das um der Aufklärung willen.

Außerdem dachte ich, dass ich mehr darüber erfahre, was sie nun dafür tun, dass muslimische Frauen freier sein können. Allerdings fand ich die Autorinnen selbst in ihrem Sein eingeschränkt. Denn durch meine muslimischen Freundinnen weiß ich, dass man viel freier sein kann, als es die Autorinnen sind! Also warum haben sie dieses Buch geschrieben? Um anderen zu zeigen, dass man sich nicht sozial kontrollieren lassen soll. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie sich selbst immer noch kontrollieren lassen.

Es werden ganz viele wichtige Themen angesprochen, aber irgendwie habe ich etwas anderes erwartet. Eine andere Umsetzung vielleicht? Ich weiß es auch nicht genau. Anstatt das es um Feminismus ging, ging es eher um einen Einblick in die (streng gläubige) muslimische Kultur. Mir ist die muslimische Kultur durch meinen Partner und Freundinnen bereits bekannt und ich weiß, dass definitiv nicht alle Muslime so leben, wie die Autorinnen leben oder gelebt haben. Natürlich gab es auch einige starke Momente in diesem Buch, aber für mich leider viel zu wenig.

Zudem tauchen immer mal wieder “Ratschläge für ehrbare Mädchen” auf, in welchen steht, was man als ehrbares Mädchen nicht tun sollte. Die haben mich so wütend gemacht! Natürlich sind das nicht die Ratschläge der Autorinnen, sondern Ratschläge von anderen die es “gut meinen”. Aber ich finde die so schlimm! Einfach unglaublich!

Das Buch hat mir noch einmal bewusst gemacht, dass ich sehr frei erzogen wurde. Ich darf lieben, wen ich will, ich darf sein, wer und was ich möchte. Dafür bin ich nun noch dankbarer! Ich unterliege keiner sozialen Kontrolle.

Was mir wirklich sehr gefallen hat ist die gesamte Innengestaltung des Buches. Es war farbenhfroh, mit Bildern der Autorinnen und auch schönen Illustrationen. Wunderschön!

Fazit

Ich fand es leider nicht so aussagekräftig wie erwartet und finde, dass es Vorurteile schürt, wenn man bereits welche hat. Wer bisher noch keinen wirklichen Kontakt zur muslimischen Kultur hatte, könnte wirklich denken, dass es überall so ist. Dennoch war es schön gestaltet und ich hoffe, dass es einigen Frauen Mut macht auszubrechen aus der sozialen Kontrolle.

Vielen lieben Dank an den Thienemann-Esslinger Verlag für das Rezensionsexemplar!

Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni 


Die Besprechung wurde ebenfalls auf den nachfolgenden Plattformen veröffentlicht: Lovelybooks | Goodreads | Lesejury | Amazon

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