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Rezension zu “Du wolltest es doch” von Louise O’Neill

– unbezahlte WERBUNG: Verlinkungen, Rezensionsexemplar, Markennennung/-erkennung –

 Ich will einfach nur das es vorbei ist.

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Bibliographische Angaben

Originaltitel: Asking for it
Titel: Du wolltest es doch
Autorin: Louise O’Neill
Übersetzt von: Katarina Ganslandt

Erscheinungsdatum: 25.07.2018
Verlag: Carlsen
Genre:Jugendbuch
Seiten: 368

Reihe – Einzelband

Klappentext

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?
(Quelle)

Erster Satz

Das Gesicht meiner Mutter taucht hinter meinem eigenen im Spiegel auf, geschminkte Lippen auf gepuderter Haut.

Meine Meinung

!Triggerwarnung!

Ein unglaublich hartes Thema beinhaltet diese Geschichte. Es geht hier um Victim Blaming (Opferbeschuldigung, auch „Täter-Opfer-Umkehr“) und Slut Shaming (Frauen werden verurteilt für ihren Sexismus, weil sie  offen mit Ihrer Sexualität umgehen oder freizügig sind), um Vergewaltigung, Selbstmordgedanken, Mobbing, Depressionen und Drogen. Sollte dich diese Themen triggern/ dir Auslösereize bieten, ist das Buch nichts für dich. Bitte informiere dich erst darüber, falls du dir nicht sicher bist. Leider fehlt eine solche Warnung im Buch.


In Emmas leben dreht sich alles um das Gemocht werden. Alles soll perfekt sein und besonders sie. Die perfekte Emma. Sie hat ein paar Freundinnen und wird von den Jungs begehrt, weil sie einfach schön ist. Ihre Mutter liebt sie, weil sie so ein schönes Mädchen ist. Alles dreht sich um ihre Schönheit und Emma genießt es sehr und liebt es dazu noch im Mittelpunkt zu stehen, kann es kaum ertragen, wenn es nicht so ist. Auf einer Party ist auch der gutaussehende und ca. 10 Jahre ältere Paul, welcher super cool und dazu noch vergeben ist. Natürlich ist er Emmas Beute, denn vergebene Jungs erzählen immerhin nicht allzu viel rum, wenn sie fremdgehen. Daher geht sie während der Party mit Paul ins Elternschlafzimmer und schäft mit ihm, schließt vorher extra noch die Tür ab. Leider ist sie bereits so betrunken, dass sie gar nicht merkt, dass Paul vor dem Sex bereits die Tür geöffnet hat, damit “nicht nur er davon was hat”. Als die beiden dann fertig sind, kommen noch andere Jungs herein und Emma einfach so tut, als ob es ihr nichts ausgemacht hätte (damit sie nicht die doofe Zicke ist). Sie wird gefragt, ob sie auch eine Pille einwerfen möchte und dies macht sie freiwillig. Am nächsten Morgen finden ihre Eltern sie vor der Wohnungstür. Das Kleid falsch herum, stinkend, voller Brandblasen, weil sie stundenlang in der Sonne lag. Als Emma aufwacht kann sie sich an nichts erinnern, was sie allerdings dann auch Social Media entdeckt stellt ihr gesamtes Leben auf dem Kopf. Nacktbilder und vieles andere von ihr ist zu sehen in sehr krasser Form. Es wurden Dinge mit ihr gemacht, die echt sehr heftig sind. Und Emma ist auf den Bildern eindeutig bewusstlos. Sie weiß nichts mehr.
Ist Emma selber schuld, weil sie die Pille freiwillig eingeworfen hat? Sie hat doch freiwillig mit Paul geschlafen oder nicht? Hat sie es nicht darauf angelegt, dass alle sie wollen? Sie wollte es doch, oder?

Paul beißt mich so fest in die Schulter, dass es wehtut, total wehtut, und ich will ihm sagen, dass er damit aufhören soll, aber ich merke ihm an, dass er denkt, ich würde es gut finden (finden andere Mädchen das gut?), deswegen stöhne ich stattdessen, das mögen sie, dann werden sie schneller fertig.

Die Autorin hat hier ein unglaublich umstrittenes Thema angesprochen. Ist Emma wirklich selber Schuld oder nicht? Das Buch ist in zwei Teile gespalten, “Letztes Jahr” und “Dieses Jahr”. In beiden Teilen erleben wir die Geschichte aus Emmas Sicht in der Ich-Perspektive, einmal vor/ bis zu dem Ereignis und einmal ein Jahr später. Dennoch werden uns immer wieder Rückblicke mitten im Text aufgezeigt, sodass ich immer oft verwirrt war, weil man nicht sofort merkte, wann Emma wieder in der Gegenwart “gedacht”/ erzählt hat. Das hat mich sehr gestört. Ansonsten war der Schreibstil aber in Ordnung und lies sich schnell und leicht lesen.

Emma, unsere Protagonistin,  ist einfach unausstehlich vor dem Vorfall. Sie will immer im Mittelpunkt stehen, gutes Aussehen ist ihr immer wichtig und auch sonst ist sie sehr egoistisch, gespielt lässig, zickig und sich selbst die Nächste. Sie möchte man wirklich nicht als Freundin haben. Ich denke, dass ist so gewollt, damit man eine Entwicklung zu der “danach”- Emma erkennt. Allerdings ist mir die “danach”- Emma auch nicht wirklich sympatischer und ich konnte ihre Gedanken auch nicht immer wirklich nachvollziehen. Immer wieder wurden Emmas Gedanken in Klammern dargestellt und immer wieder hieß es (meine Schuld). Ich hätte sie gern geschüttelt und geschrien: “Nein, verdammt! Das ist mit Sicherheit nicht deine Schuld!” Sie hat auch danach immer noch alles auf sich selbst bezogen und das hat mich unglaublich genervt. Ich weiß nicht wie es ist sowas durchzustehen, gar keine Frage. Aber ich mag es auch nicht, wenn man sich hängen lässt und nicht weiß was man will. Ich bin eher der Typ: Es gibt ein Problem? Ich finde eine Lösung. Emma hat sich da eher etwas hängen lassen und das war echt schade.

“Seht sie euch an.” Das ist der Preis meiner Schönheit, und ich bin bereit. Bereit und willig.

Zu den Nebencharakteren möchte ich nicht allzu viel sagen, da ihr euch über diese selbst eine Meinung bilden solltet und ich auch nicht spoilern möchte. Die Geschichte spielt übrigens in einem kleinen Dorf namens Balinatoom in Irland.

Die Handlung hat mich etwas mitgenommen, sodass man an manchen Stellen einfach nur übel wurde und auch die unerwartete Wendung gab es, wenn auch ziemlich zum Schluss. Ich finde das dies kein mutmachendes Buch ist und es ist unbedingt nötig, dass ihr beide Nachwörter lest, denn ansonsten bleibt ihr einfach wütend und unbefriedigt zurück. Die Nachworte bringen einen von der Wut ein wenig runter und es geht einem besser. Zudem solltet ihr das Buch vielleicht gemeinsam mit jemandem lesen, da es keine leichte Kost ist.

Ich bin immer noch sprachlos…

Fazit

Eine unglaublich krasse Geschichte mit einem unerwartetem Ende. Ich kann auch wirklich nur ans Herz legen die Nachwörter zu lesen. Lest die Geschichte am besten mit einer Freundin um das Gelesene direkt zu verarbeiten! Leider hat mir der Schreibstil mit den Rückblicken nicht ganz so zugesagt, im Großen und Ganzen würde ich das Buch aber weiterempfehlen. 

Vielen lieben Dank an den Carlsen Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!

Erhältlich im Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag.

Eure Neni 


Die Besprechung wurde ebenfalls auf den nachfolgenden Plattformen veröffentlicht: NetGalley | Lovelybooks | Goodreads | LesejuryAmazon

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